© Karl-Eckhard Carius (Digitale Bildcollage)


(Kopie 1)

Die Entführung des Akademieprofessors Bernhard Heiliger ins Paradies.
Ein Attentat auf das Realitätsprinzip.

Mit Karl-Eckhard Carius und Bazon Brock

Das Thema enthält das Scheitern und zugleich die Fähigkeit, radikal zu experimentieren. Es tangiert Fragen nach der künstlerischen Ausbildung – zum anderen bedeutet es den Aufbruch zu einer anderen als ästhetischen Praxis, nämlich zu einer politischen, prognostizierenden und selbstentfesselnden Kunst. Und schließlich handelt es sich um das Simulakrum, das unser reales Leben als Kopie erscheinen lässt.


Veranstaltung in der DENKEREI Berlin, 3.12.2014

Am 3. Dezember 2014 präsentierte Karl-Eckhard Carius in der Denkerei sein historisches Projekt von 1969: »Die Entführung des Akademieprofessors Bernhard Heiliger ins Paradies. Ein Attentat auf das Realitätsprinzip«.



© Karl-Eckhard Carius (Digitale Bildcollage)

 

Jean Baudrillard veröffentlichte 1978 ein bis in die letzte Formulierung mit Carius’ Gründungstext gleichlautendes Programm. Naturgemäß ist das Baudrillard‘sche Modell durch den gewaltbereiten Terrorismus desavouiert worden.

Mozart feierte hymnisch die Entführung aus dem Freudenhaus. Nachgefolgt ist diesem musikalischen Jubel die Wagner'sche Entführung Brunhildes aus dem Dornengestrüpp durch Siegfried.

Das ist der Westen: Man entführt aus dem Paradies ins Leben - frei nach Adornos Maxime: Sesam öffne Dich, ich will hinaus!
Und wenn man aus dem Paradies vertrieben wird, wie Adam und Eva, verklärt man Arbeit zur Lust in himmlischer Autonomie: Anstrengungslust durch Pflichterfüllung.
Da befeuert sich das Hirn mit der Eigenproduktion von Opium.

Eine andere Erzählung liefert der Osten: Die Entführung ins Paradies.
Gottergebene Pflichterfüllung liefert die Lust zum Verschwinden in den schönen Gärten des Todes als ewigem Leben.
Zwischen Ost und West schwankten die Fashion Victims, die Opfer der arbeitslosen Libertinage und der lustlosen Arbeit. Immerhin, studieren heißt, sich bemühen, also herauszufinden, ob das ost-westliche Duett der Arbeit mit der Lust, des Todes mit der Ewigkeit auch für sie zu reaktivieren sei. Sie entwickelten ihr Studium als Experiment:
Was würde herauskommen, wenn man einen nur von sich selbst überzeugten Professor der Bildhauerei ins Paradies entführte, an das zu glauben, er vor lauter Aufgeklärtheit nicht mehr die Kraft hat?

Vom Ausgang, dieses Experiments, das 1969 in der Berliner Hochschule der Künste durchgeführt wurde, berichtet KE Carius, einer der wenigen Überlebenden der damaligen Glücksradikalität.
Was brachte das Experiment ihm für sein künstlerisches Arbeiten in der Vorhölle des Kaptialismus? Kehrte jemand von seinen Gefährten nicht aus dem Paradies ins Leben zurück? Gewann also der Osten? Oder gewann mit Carius das westliche Lustprinzip?
Kommet und höret!

© Bazon Brock, 2014

 

 

 

(Kopie 2)

(Kopie 3)

KE Carius in der Denkerei
"...das große Trauma ist jene Agonie fester Bezüge".

(Kopie 4)

KE Carius und Bazon Brock im Ringen an der Pforte der Wahrnehmung

Fotos: Malwa Berlin