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Goethe-Pessoa // Die zweite Begegnung

25jähriges Bestehen der Goethe- und Pessoa-Skulpturen
auf dem Campus der Deutschen Schule Lissabon (DSL)

Von Peter Koj

Am 18. Oktober 1991 enthüllte der damalige portugiesische Staatspräsident Dr. Mário Soares im Rahmen eines offiziellen Festaktes die beiden Skulpturen der Dichter Johann Wolfgang von Goethe und Fernando Pessoa auf dem Campus der Deutschen Schule Lissabon (DSL). Die Skulpturen sind Zeichen der Begegnung deutscher und portugiesischer Kultur und Ausdruck eines pädagogischen Impetus, zu dem sich damals die DSL als Begegnungsschule bekannte. Sie sind das Ergebnis eines kunstpädagogischen Projekts, das von 24 Schülerinnen und Schülern einer Kunst-Arbeitsgemeinschaft in einem eineinhalbjährigen Arbeitsverlauf unter Leitung des Künstlers Karl-Eckhard Carius konzipiert und realisiert wurde. Die Verwirklichung des Projekts ist der Förderung von Diplom-Kaufmann Helmfried Horster und den großzügigen Spenden deutscher und portugiesischer Unternehmen zu verdanken.
Das Enthüllungsereignis war ein ganz besonderer Tag für die Deutsche Schule Lissabon resp. für den deutsch-portugiesischen Kulturdialog. Ca. 1.500 Besucher – Schüler/innen, Eltern, Minister, Diplomaten und Vertreter der Wirtschaft – nahmen an dem Festakt teil. In den Abendnachrichten berichtete das Fernsehen über das Ereignis, Rundfunk und Presse informierten in besonderem Maße über das wohl einmalige Schulprojekt, mit dem sich die DSL international auszeichnen konnte und eine große Wertschätzung erhielt. Für die 24 am Projekt beteiligten Schüler/innen war die intensive Auseinandersetzung mit den beiden Dichtern sowie der künstlerische Schaffensprozess über einen so langen Zeitraum eine tiefgreifende und nachhaltige Erfahrung.
Das Projekt forderte zur Auseinandersetzung damit heraus, zwei in großer zeitlicher Distanz existierende Weltanschauungen sowie die sehr unterschiedlichen Charaktere der beiden großen Dichter Johann Wolfgang von Goethe und Fernando Pessoa in einer räumlichen Begegnung manifest werden zu lassen. Faust ist die einzige thematisch sichtbare literarische Verbindung zwischen Pessoa und Goethe (Faust – Eine subjektive Tragödie, Amman-Verlag) und steht für die Bewunderung, die Pessoa dem deutschen Genie entgegenbrachte.
Dass mit diesem Goethe-Pessoa-Projekt erstmals in der Literaturrezeption bzw. -geschichte eine direkte Beziehung der beiden Dichter als Konzept thematisiert worden ist, unterstreicht die Bedeutung des Projekts. Erst in den Jahren danach sind weitere Schriften oder Theaterproduktionen zu diesem Dichter-Tandem entstanden. Carius betont in diesem Zusammenhang die enge Zusammenarbeit mit Prof. João Barrento, einem auch in Hamburg geschätzten Essayisten, Literaturkritiker und Übersetzer deutschsprachiger Literatur.

Aus Anlass des diesjährigen 25. Jahrestages der Enthüllung der Goethe-Pessoa-Plastiken wandte sich Herr Horster (Projektförderer) bereits im vergangenen Jahr an die Schulleitung und warb dafür, das Ereignis an der DSL mit einer entsprechenden Veranstaltung – als Zeichen der deutsch-portugiesischen Kulturbeziehung – zu begehen und dazu den derzeitigen portugiesischen Staatspräsidenten einzuladen. Zu diesem Ereignis plante Professor Carius eine Kultur- bzw. Denkveranstaltung mit Schauspielern und Musikern (ehemalige DSL-Schüler/innen) – die bereits alle ihre Teilnahme zusagten – die als Pessoa, Ofélia und Goethe mit kurzen Performances die einzelnen Programmpunkte durchkreuzen sollten. Die Bartholomäus-Brüderschaft Lissabon war bereit, die Kosten für die Veranstaltung zu tragen.

Wandel an der Deutschen Schule Lissabon

Kaum nachzuvollziehen ist jedoch, dass die derzeitige DSL-Schulleiterin Renate Matthias (aus Hamburg) sowie der Vorsitzende des Schulvereins Arno Kienbacher die angebotene Förderung und jegliche Zusammenarbeit bei der Realisierung des Projekts mit dem Argument ablehnten, man identifiziere sich nicht mit dem Projektthema.
Goethe-Pessoa // Die zweite Begegnung sollte jenes faustische Element thematisieren, aus dem heraus das Skulpturen-Projekt entstand, und vor dem Hintergrund der gegenwärtigen enormen gesellschaftlichen Herausforderungen einen Aktualitätsbezug herstellen.
Lehrer/innen, Eltern und Schüler/innen mehrerer Schulgenerationen haben durch ihr Engagement dazu beigetragen, diese Institution zu formen, was schließlich zur Zertifizierung als Exzellente Deutsche Auslandschule führte. Es wäre schade, wenn durch fehlende Kompetenz und mangelnden Stil die Errungenschaften der DSL durch eine vernachlässigte Personalpolitik – was die Leitung betrifft – aufs Spiel gesetzt würden. Geist und kultureller Impetus haben sich an der DSL wohl verändert.

Dr. Peter Koj war stellvertretender Schulleiter an der Deutschen Schule Lissabon. Vorstand der Portugiesisch-Hanseatischen Gesellschaft Hamburg

 

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Goethe-Pessoa-Projekt



18.10.2016

Gedanken an Goethe und Pessoa

Von Viriato Soromenho-Marques

Es gibt ein wunderschönes Gedicht von Heinrich Heine aus dem Jahre 1884, das alle Deutsche aus der Schulzeit kennen. In einer groben Übersetzung in Portugiesische würde es wie folgt klingen: ... Nicht ohne Rührung fühle ich mich Heine verbunden in einer tiefen Traurigkeit, die mich heutzutage befällt, wenn ich an die Zukunft des Projekts Europa denke, an die Zukunft Portugals und Deutschlands in einem Europa, das wir seit Jahrzehnten für unser gemeinsames Haus gehalten haben. Heute jährt sich zum 25. Mal ein Ereignis voller Hoffnung und Versprechen, das aber mit seinem Widerspruch mit der Gegenwart die Wunde des Erinnerns noch vertieft. Am 18. Oktober 1991 öffnete die Deutsche Schule Lissabon mehr als 1.500 Besuchern die Tore. Es war der Tag der feierlichen Einweihung eines Kunstwerkes, das die geistige Nähe der beiden größten Vertreter der deutschen und portugiesischen Kultur verkörpert, Goethe und Pessoa. Der Staatspräsident Mário Soares verlieh dem Akt die höchstmögliche politische Würde, denn er präsidierte der Übergabe dieses Werkes an die Öffentlichkeit. Mein guter Freund Karl-Eckhard Carius – Bildhauer, Designer, Lehrer und unermüdlicher Träumer von schönen und möglichen Dingen – war die Seele des Projekts. In eineinhalb Jahre schuf er als Leiter einer Gruppe von 24 Schülern zwischen 14 und 20 Jahren, dieses bemerkenswerte Werk, das man heute noch bewundern kann. Mit seinem ansteckenden Enthusiasmus und der Unterstützung des Unternehmers Helmfried Horster gelang es ihm, die materielle Basis für das Projekt zu schaffen. Viel weitere Unterstützung kam zusammen, um die Initiative voranzutreiben, deren Originalität von João Barrento gepriesen wurde, einem der kompetentesten Germanisten Portugals und großen Spezialisten des unsterblichen Werks des deutschen Dichters. Ich erinnere mich an die allgemeine Freude an diesem zauberhaften Herbsttag, an den schönen von Henrique Cayatte gestalteten Band, der nachhaltig die Erinnerung an die Texte und Ikonografie des ästhetischen und pädagogischen Verlaufs des Projekts bewahrt. Ich weiß, dass Karl-Eckhard Carius an das Projekt anknüpfen wollte, ein „Zweites Treffen“ ein Vierteljahrhundert danach verwirklichen. Wir alle wissen, dass im heutigen Europa die Kultur und der Geist der großen Europäer als hohles Zeug angesehen werden. 2016 ist ein schlechtes Datum für edle und großzügige Unternehmen. In dem Vorwort zu dem Buch über das Projekt schreibt Mário Soares, dass Portugal und Deutschland zwei Länder sind, die „sich zusammengetan haben bei der Errichtung eines Europas der Bürger und der Kultur“ … Wenn ein trockener und schmerzhafter Wind durch Europa fegt und eine Vorahnung von sich neu bildenden Wüsten mit sich bringt, ist es wichtig zu sagen, dass das 1991 gestartete Goethe-Pessoa Projekt der Mühe wert war. Selbst wenn uns eine heimliche Träne über das Gesicht rinnt.  

 

Português: Diário de Noticias, 18.10.2016 // OPINIÃO: Viriato Soromenho- Marques

Prof. Dr. Viriato Soromenho-Marques (Universidade de Lisboa)

(Kopie 4)

Goethe-Plastik | 1991, Bronzeguss, teilweise poliert, 3,40 x 1,45 x 0,18 m, Deutsche Schule Lissabon

(Kopie 5)

Pessoa-Plastik | 1991, Cortenstahl (20 mm), 260 x 180 x 193 cm, Basis: Schwarzer Granit, 361 x 250 x 14 cm

 

Projektgruppe:
MARCELO AGUIAR
CRISTINA BORGES
DUARTE CARNEIRO
MARGARIDA CARNEIRO
SUSANNA CORREIA
ANDREA CUNTZ
RUTE DOMINGOS
DEREK FRANK
BORIS LEKAR
ADRIANA MARTINS
FREDERICO MENDES
INÊS MENDES
JOANA THERIAGA MENDES
LUÍS SOUSA MONTEIRO
JOSÉ PINTO
RAUL PIRES
MARINA QUAY
ANDRÉ RIBEIRO
KOLJA SCHULTE
ANA M. SILVA
SUSANA TEIXEIRA
VALERIE TREBELJAHR
STEFANIE VON DRESSLER-UNRUH
LARS WACHENHEIM

Leitung: KARL-ECKHARD CARIUS

Gefördert durch:
HELMFRIED HORSTER
und die Unternehmen:
ALDEIA DO MECO LDA
BILFINGER+BERGER BAU AG
CONLUSA LDA
ELECTROLIBER LDA
FERROSTAAL PORTUGUESA LDA
INTERNATIONAL RESEARCH AND DEVELOPMENT (PORTUGAL) LDA
LEVER PORTUGUESA LDA
LINDE SOGÁS SA
MERCEDES-BENZ LDA
MOTOMETER PORTUGUESA LDA
OSTU PORTUGUESA LDA
TELEPRO GMBH
THYSSEN AÇOS FINOS LDA
THYSSEN SCHACHTBAU PORTUGUES LDA



(Kopie 6)


GOETHE-PESSOA 

DOKUMENTATION EINES KUNSTPÄDAGOGISCHEN PROJEKTS     

KARL-ECKHARD CARIUS (HG.)
Escola Alemá de Lisboa, Lissabon 1992  
ISBN 972/42/0541/X |128 S.
Grafikdesign: Atelier Henrique Cayatte, Lissabon 
Bestellung über:
carius@uni-vechta.de

 

18.10.1991
Mário Soares, Portugiesischer Staatspräsident.
Enthüllung der Pessoa-Plastik,
Deutsche Schule Lissabon

Goethe-Pessoa-Projekt
Bronzetafel an der Deutschen Schule Lissabon